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03.07.2017
G20 Gipfel in Hamburg
Behandlungsplatzbereitschaft (BHP-B 50) des Kreises Steinfurt ist seid dem 29.06.2017 einsatzbereit in Hamburg.
Münster / Seevetal. (cbr) Als der Kommandowagen des DRK-Landesverbandes aus Münster am Montag gegen 11 Uhr auf die Straße am Schulzentrum im niedersächsischen Seevetal einkurvt, ist die aktuelle Nutzung der Schulgebäude nicht zu übersehen: Reihe an Reihe stehen dort hintereinander Einsatzfahrzeuge der Feuerwehren, der Johanniter und Malteser und insbesondere des Roten Kreuzes in Reih‘ und Glied für ein rasches Ausrücken aufgereiht. Die Kennzeichenschilder machen deutlich: neben einigen Fahrzeugen aus den ostwestfälischen Bereichen Gütersloh, Lippe und Bielefeld ist insbesondere der münsterländische Kreis Steinfurt hier präsent. Ansonsten herrscht auf dem Gelände weitgehend Ruhe – trotz der mehr als 150 Katastrophenschutz-Einsatzkräfte, die hier zur Zeit untergebracht sind!

Die Fahrzeuge gehören zur „Behandlungsplatzbereitschaft“ des Kreises Steinfurt, einer Einheit, die für die rasche Versorgung von ca. fünfzig Patienten bei Unglücken und Gefahrenlagen ausgestattet ist und insgesamt über 115 Helferinnen und Helfer der verschiedenen Hilfsorganisationen verfügt. Hinzu kommt ein „Patiententransportzug“ mit mehreren Rettungs- und Krankenwagen, der den Rettungsdienst unterstützen und Patienten der klinischen Versorgung auch in weiter entfernten Krankenhäusern zuführen kann. Dieses Kontingent aus Westfalen-Lippe wurde auf Grund eines Amtshilfeersuchens der Hamburger Innenbehörde nach Hamburg zum G20-Gipfel entsandt; geführt wird es durch den Verbandführer Thomas Roters aus dem DRK-Kreisverband Steinfurt und den Ärztlichen Leiter Rettungsdienst des Kreises Steinfurt, Dr. Karlheinz Fuchs. Zusammen mit den zur Einheit gehörenden 8 Ärzten, von den Feuerwehren im Kreis Steinfurt abgestellten Logistikkräften, dem Einsatzführungsdienst und den Fernmeldekräften haben Roters und Dr. Fuchs damit mehr als 150 Einsatzkräfte zu führen.

Seit Donnerstag sind die Helferinnen und Helfer inzwischen in dem Schulzentrum unweit der hamburgischen Stadtgrenze untergebracht. Ihr Auftrag ist es, im Bedarfsfall die medizinische Hilfe im Umfeld des G20-Gipfels zu verstärken und damit den Rettungsdienst der Hansestadt zu entlasten. Und dieser Auftrag wird durch die Frauen und Männer aus Westfalen gut zu erfüllen sein, wie der privat in Nordwalde ansässige Verbandführer Thomas Roters dem Vizepräsidenten des DRK-Landesverbandes Westfalen-Lippe, Heinz-Wilhelm Upphoff (Siegen), und dem Landesbeauftragten für den Katastrophenschutz, Christoph Brodesser (Nordwalde) anlässlich ihres Besuches eindrucksvoll erklärt. Die Ruhe im Umfeld hat nämlich ihren Grund: die Helferinnen und Helfer widmen sich in der einsatzfreien Zeit der Fortbildung, und auch die Pflege und Wartung des mitgeführten Materials, der Einsatzzelte und des medizinischen Equipments wird durchgeführt. Als Upphoff und Brodesser ihren Rundgang durch das Schulzentrum beginnen, läuft im Versammlungssaal – eigentlich die Schulmensa – gerade für die eine Hälfte der Mannschaft eine Fortbildung zum Thema „Einsatz bei besonderen Lagen“, und die andere Hälfte ist außerhalb mit einem Bus der Feuerwehr Hannover in Hamburg unterwegs, um Ortskenntnis über die möglichen Einsatzräume zu erhalten. Später, beim Mittagessen, werden beide Mannschaften wieder aufeinandertreffen, um am Nachmittag dann das identische Programm mit umgekehrten Rollen zu absolvieren.

Das Schulzentrum eignet sich nach übereinstimmender Einschätzung recht gut für die Unterbringung von Einsatzkräften. Die Klassenräume sind groß genug, um trotz Mehrbettunterbringung (in der Regel Vierbettzimmer) ausreichende Ruhe zu erhalten, um die eigene Leistungsfähigkeit zu erhalten. Etwas vermisst wird die Möglichkeit, persönliche Gegenstände in Spinden oder Schränken gesichert unterzubringen – aber „es geht“, findet Thomas Roters. Damit die Helferinnen und Helfer jederzeit zum Einsatz alarmiert werden können, ist eigens ein elektronisches Sirenensystem installiert worden, was auch bis zu dem angeschlossenen Sportplatz und Freibad gehört werden kann – beide Einrichtungen stehen den Frauen und Männer für Freizeitaktivitäten zur Verfügung. Ob es aber zu dem vom örtlichen Sportverein angeregten Fußballspiel zwischen einer seiner Fußballmannschaften und einer Auswahl der Behandlungsplatzbereitschaft kommen kann, steht noch in den Sternen – die Einsatzlage geht nun mal vor!

In den vergangenen Tagen sind bereits mehrere Übungen durchgeführt worden. Dr. Fuchs: „Es ist beeindruckend, wie die aus verschiedenen Organisationen und Fachdiensten kommenden Helferinnen und Helfer sich in kurzer Zeit zu einer schlagkräftigen Einheit zusammengefunden haben!“, berichtet der Leitende Arzt über den bisherigen Verlauf, und Roters ergänzt: „Nach den Vorgaben müssen wir 30 Minuten nach Einsatzalarm marschbereit zu unserem Einsatzort im Raum Hamburg ein – bei der gestrigen Übung haben wir es geschafft, bereits nach 23 Minuten abmarschfertig auf unseren Autos zu sitzen!“ Eine stramme Leistung, wie Upphoff und Brodesser anerkennend konstatieren müssen. Auch eine Aufbauübung des Behandlungsplatzes wurde inzwischen durchgeführt („in strömendem Regen“, wie einer der Helfer bestätigt), auch, um den Hamburger Kollegen einmal zu zeigen, was ein nordrhein-westfälischer Behandlungsplatz eigentlich ist und leisten kann. Das Ergebnis ist deutlich zu sehen: die Zelte sind an einer passenden überdachten Stelle zum Trocknen aufgestellt, um dann wieder verpackt auf die Einsatzfahrzeuge verladen werden zu können.

Nein, ein Urlaub ist die Bereitstellung des Behandlungsplatzes und der Patiententransportzüge aus NRW für einen Einsatz in Hamburg beileibe nicht. Dies bestätigt auch Vizepräsident Upphoff bei seinem abschließenden Gespräch mit Führungs- und Einsatzkräften. „Ich überbringe Ihnen sehr gerne den Dank und die Anerkennung des gesamten Präsidiums des DRK-Landesverbandes Westfalen-Lippe für Ihren nicht alltäglichen Einsatz“, sind seine Worte, und er schließt darin auch den Dank an die Arbeitgeber der Einsatzkräfte mit ein, die ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter jeweils für mindestens eine Woche für diesen Einsatz freigestellt haben – etwa zwei Drittel der Einsatzkräfte werden in den nächsten Tagen durch frische Kräfte abgelöst, ein Drittel wird sogar den gesamten Zeitraum bis zum 10. Juli im Raum Hamburg verbringen. Die nicht unerheblichen persönlichen Einschränkungen, die die ehrenamtlich tätigen Frauen und Männer des Roten Kreuzes, der Feuerwehren und der anderen Hilfsorganisationen für diesen Einsatz auf sich nehmen, dürften keineswegs gering eingeschätzt werden – „sie geben damit ein Zeichen für Hilfe im Namen der Menschlichkeit, die sich alle unsere Verbände auf die Fahnen geschrieben haben!“ Es bleibe zu hoffen, dass keine Notfallsituation einen realen Einsatz der westfälischen Kräfte erforderlich mache, aber es sei eben wichtig, auch auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein. Upphoff bekräftigte die Anerkennung der gesamten Rotkreuzfamilie für dieses große Engagement und gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass alle gesund und ohne Unfälle und Blessuren in einigen Tage ihre Heimatorte wieder erreichen werden.

Nicht unerwähnt bleiben darf an dieser Stelle, dass im Bedarfsfall auch noch weitere Kräfte für eine Einsatzunterstützung in Hamburg zur Verfügung stehen: aus den ostwestfälischen Kreisen Gütersloh und Lippe steht ein weiterer Behandlungsplatzes abrufbereit, und aus dem Hochsauerlandkreis kann erforderlichenfalls ein weiterer Patiententransportzug nach Hamburg geschickt werden.

Quelle:
Facebook: DRK Westfalen-Lippe Bevölkerungsschutz 03.07.2017

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